Methode · Kaffee
Malen mit Kaffee
Kaffee ist eines von Rouslam Botievs Arbeitspigmenten. Im Atelier in Alfama malt er damit so, wie andere mit Tuschlasur arbeiten — und baut Lissabonner Straßen, Gesichter und oiratisch-mongolische Erinnerung aus espressodunklen Linien und blassen, milchigen Flecken.
Die Methode
Von der Tasse zur Lasur
Botiev behandelt Kaffee wie ein Aquarell, das er längst auswendig kennt. Starker Kaffee, eingekocht und konzentriert, wird zu einem tiefen Sepia, mit dem sich zeichnen lässt; derselbe Kaffee mit Wasser verdünnt öffnet sich zu den weichen, warmen Grautönen, die das Licht über das Blatt tragen.
Er arbeitet nass, schnell und in Schichten. Eine erste blasse Lasur setzt die Wärme einer Szene. Dunklere Züge — vom Boden der Tasse geholt — halten einen Türrahmen fest, die Drehung einer Schulter, das Gewicht einer Fado-Gitarre. Wo Tusche flach und endgültig bleibt, behält Kaffee eine Körnung — und den Geruch des Cafés, aus dem er stammt.
Weil jede Schicht trocknen muss, bevor die nächste kommt, hat ein Kaffeebild seinen eigenen Takt. Er lässt das Papier sich wellen, sich beruhigen, aufhellen, und kehrt dann zurück — mal mit Tusche für die schärfsten Linien, mal mit einem einzigen roten Akzent, den er sich für das Wichtigste aufhebt.
Warum Kaffee
Ein alltägliches Lissabonner Material
Botiev lebt seit 2002 in Lissabon, und Kaffee ist das Gewöhnlichste der Stadt — eine kleine Tasse auf jedem Tresen, von der Baixa bis hinauf nach Alfama. Damit zu malen heißt, mit dem zu arbeiten, was ohnehin auf dem Tisch steht: derselbe Instinkt, der ihn den Namen eines Besuchers in altmongolischer Schrift auf eine Postkarte schreiben lässt, während dieser wartet.
Es ist zugleich eine Disziplin. Kaffee verzeiht nichts, sobald er getrocknet ist: Es gibt kein Deckweiß, das einen falschen Zug überdeckt, nur das von Anfang an frei gehaltene Papier. Dieses Risiko ist ein Grund dafür, dass die fertigen Arbeiten lebendig wirken.
Aus dem Atelier
Das Material
Papier, Ton und Zeit
Er malt auf Hadern- und Baumwollpapieren, die wiederholtes Anfeuchten aushalten, ohne aufzubrechen. Der Kaffee reicht von einer fast schwarzen Espressoreduktion bis zum blassesten Milchkaffeegrau, und der Ton verschiebt sich beim Trocknen weiter — deshalb beurteilt er eine Lasur danach, wie sie morgen aussieht, nicht danach, wie sie nass aussieht.
Kaffee ist ein organisches, nicht genormtes Medium; eine feste Haltbarkeit lässt sich nicht versprechen. Das Blatt vor direkter Sonne zu schützen, die gesamte Lichtmenge zu verringern und konservatorisch zu rahmen verlangsamt vermeidbare Veränderungen; UV-filternde Verglasung hilft, verhindert aber keine Schäden durch sichtbares Licht.
Fragen zu den Kaffeearbeiten
Mit welchem Kaffee malt Rouslam Botiev?
Mit gewöhnlichem Filterkaffee und Espresso. Für die dunkelsten Linien konzentriert er ihn, für blasse Lasuren verdünnt er ihn mit Wasser — so, wie ein Aquarellist ein einzelnes Pigment steuert.
Verblassen Kaffeebilder mit der Zeit?
Kaffee ist ein organisches, nicht genormtes Medium; eine feste Haltbarkeitsangabe wäre unseriös. Die Arbeit vor direkter Sonne zu schützen, die gesamte Lichtmenge zu verringern und konservatorisch zu rahmen verlangsamt vermeidbare Veränderungen.
Kann ich ein Kaffeebild kaufen oder in Auftrag geben?
Ja. Verfügbare Originale sind im Shop gelistet, und Auftragsarbeiten — auch Lissabonner und Alfama-Motive — lassen sich direkt über das Atelier vereinbaren.
Wo kann ich die Kaffeearbeiten im Original sehen?
In Botievs Atelier in Alfama, Lissabon, in der Travessa de São João da Praça, wo er auch personalisierte Postkarten mit Namen in traditioneller mongolischer Schrift zeichnet.